Zunächst möchte ich klarstellen, dass ich mich natürlich für etwas besseres halte, schließlich bin ich der älteste Mensch der Welt und habe Ansprüche, die über Generationen hinweg entstanden sind.
Aber ganz ernsthaft. Was zur Hölle ist kaputt bei euch? Diese Frage ging mir gestern gefühlte dreitausendneunhundertachtundzwanzig Mal durch den Kopf. Genau sooft, wie ihr eure iPhones aus der Hosentasche gezogen habt um auf Foursquare den Major Badge für’s Astra Kulturhaus freizuschalten, auf Facebook 20 Likes für den verwackelten Snapshot vom Bassisten zu bekommen und auf Twitter 50 Favs für ein Songzitat.
„Hallo, du Honk, wir leben im digitalen Zeitalter, Smartphones sind allgegenwärtig“ hör ich euch schon schreien. Ja, natürlich sind sie das, aber wann genau hat dieser Umschwung bei euch stattgefunden, sich nicht mehr auf die Musik einlassen zu können? Wann genau ist sie zu einem Accessoire eurer mühevoll konstruierten Scheinidentität geworden? Es ist nicht nur ein Zeichen von Respektlosigkeit, seiner Freundin in einer Lautstärke, die ihresgleichen sucht, zu berichten, wie süß der schüchterne BWL-Student ist, der in der Bib immer hinten am Fenster sitzt, oder wie hart der Gastdozent aus dem Seminar für Bewegungsförderung euch am Wochenende rangenommen hat.Es ist vor allem ein Armutszeugnis. Es zeigt auf, wie informationsgeil ihr eigentlich seid, wie ihr jede einzelne Minute eurer Zeit dazu verwendet, eure komplexe Hülle ein wenig aufzuhübschen.
Es erinnert mich daran, wie meine Klassenkameraden früher heimlich Futurama auf VHS aufnahmen um die Sendung dann vor dem Aufstehen ihrer Eltern zu schauen und auf dem Schulhof mitreden zu können.
Das ist kein Hipstergedanke, den ich da habe, es ist einfach nur entsetzlich traurig. Lange ist es her, als der gestrige Künstler in einer kleinen unbedeutenden Halle, irgendwo in einer kleinen unbedeutenden Stadt im Osten des Dreiländerecks sich die Seele aus dem Leib sang und das gesamte Publikum sich fassungslos vor Liebe in der Musik verlor. Alle hielten den Atem an, als plötzlich die E-Saite seiner Gitarre riss. Keiner lachte. Vereinzelt rollten Tränen. Wir waren eins.
Lernt das auch. Oder wieder. Oder bleibt zuhause. Verdammte Axt nochmal. Es geht hier um Musik. Nichts weniger.






